Künstliche Intelligenz kommt in den Apps an, die wir täglich nutzen – doch was können die neuen KI-Assistenten wirklich und sollten Sie ihnen vertrauen?
In den letzten Tagen hat sich die KI-Landschaft für Millionen Nutzer grundlegend verändert: Meta hat seinen KI-Assistenten „Meta AI“ für WhatsApp und Instagram in Deutschland ausgerollt, während Google seine Suchergebnisse mit der neuen „KI-Übersicht“ anreichert.
Beide Neuerungen bringen künstliche Intelligenz direkt in Anwendungen, die wir täglich nutzen. Doch was können diese neuen Funktionen wirklich leisten, wie nutzt man sie sinnvoll und welche Datenschutzbedenken sollten Sie im Blick behalten?
Meta AI: Ihr neuer Begleiter in WhatsApp und Instagram
Meta hat seinen KI-Assistenten, basierend auf dem hauseigenen Llama-Modell, nun auch für deutsche Nutzer freigeschaltet. In WhatsApp können Sie Meta AI direkt anschreiben oder mit „@Meta AI“ in Gruppenchats einbinden. Bei Instagram funktioniert der Assistent ähnlich in Direct Messages und kann auch in Stories eingebunden werden.
Praktische Anwendungen im Alltag:
- Schnelle Informationen abrufen, ohne die App zu verlassen
- Hilfe bei der Textgenerierung für Nachrichten oder Posts
- Kreative Anregungen für Beiträge oder Gespräche
- Künftige Funktion: Bilder auf Anfrage generieren
Besonders praktisch ist, dass die KI dort zur Verfügung steht, wo Sie ohnehin kommunizieren. Stellen Sie sich vor: Sie planen mit Freunden ein Abendessen in einer WhatsApp-Gruppe und können direkt den KI-Assistenten fragen: „@Meta AI, welche italienischen Restaurants in der Innenstadt haben heute noch einen Tisch frei?“ – ohne die App wechseln zu müssen.
Google KI-Übersicht: Suchen ohne zu klicken
Auch Google revolutioniert sein Kernprodukt mit KI. Die neue „KI-Übersicht“ erscheint bei komplexeren Suchanfragen über den klassischen Suchergebnissen und fasst relevante Informationen zusammen, bevor Sie auch nur eine Webseite anklicken müssen.
Typische Anwendungsfälle:
- Komplexe Fragestellungen („Welche Pflanzen eignen sich für schattige Balkone?“)
- Vergleiche verschiedener Produkte oder Optionen
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- Zusammenfassungen zu einem Thema mit direkten Quellenverweisen
Die Funktion ist besonders nützlich bei Recherchefragen, die normalerweise mehrere Webseiten erfordern würden. Die KI-Übersicht wird zunächst nur für eingeloggte Google-Nutzer ausgerollt und erscheint schrittweise bei immer mehr Nutzern.
Unterschiede zu spezialisierten KI-Tools
Obwohl beide KI-Funktionen beeindruckend sind, müssen Sie Ihre Erwartungen realistisch halten. Im Vergleich zu fortschrittlichen Modellen wie ChatGPT-4 sind die integrierten Assistenten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkter:
- Begrenztes Wissen: Besonders Meta AI zeigt Schwächen bei sehr spezifischen oder aktuellen Fragen
- Einfachere Antworten: Komplexe Analysen oder tiefgreifende Erklärungen überfordern die integrierten KIs oft
- Eingeschränkte kreative Fähigkeiten: Die Textgenerierung ist grundlegend gut, erreicht aber nicht die Qualität spezialisierter Tools
Der große Vorteil liegt jedoch in der nahtlosen Integration in vertraute Apps – die Eintrittshürde zur KI-Nutzung sinkt damit erheblich.
Datenschutz: Die Kehrseite der Bequemlichkeit
Beide Unternehmen beteuern, dass die KI-Interaktionen nicht zum Training ihrer Modelle verwendet werden. Bei Meta AI werden Anfragen laut Unternehmensangaben für 60 Tage gespeichert, angeblich zur Missbrauchsprävention.
Was Sie wissen sollten:
- Jede KI-Interaktion generiert wertvolle Daten über Ihre Interessen und Informationsbedürfnisse
- Die genaue Nutzung der Metadaten bleibt oft intransparent
- Ihre KI-Anfragen könnten mit bestehenden Nutzerprofilen verknüpft werden
Sie können die Funktionen deaktivieren, wenn Sie Bedenken haben:
- Bei WhatsApp unter „Einstellungen“ > „Datenschutz“ > „Erweitert“
- Bei Instagram über „Einstellungen“ > „KI-Funktionen“
- Bei Google in den Sucheinstellungen
Die Deaktivierungsoptionen sind allerdings nicht immer leicht zu finden – vermutlich bewusst, um die Nutzung zu fördern.
Warum die Tech-Konzerne so stark auf KI setzen
Der massive KI-Vorstoß der Tech-Giganten folgt einer klaren Strategie: Sie wollen Nutzer in ihren Ökosystemen halten. Wenn ChatGPT Fragen beantwortet, die früher über Google gesucht wurden, ist das für Google existenzbedrohend. Ähnliches gilt für Meta: Wenn Nutzer für KI-Funktionen zu anderen Diensten wechseln, bedeutet das weniger Engagement und weniger Werbeeinnahmen.
Gleichzeitig schaffen die Unternehmen wertvolle Infrastruktur für künftige Geschäftsmodelle. Jede KI-Interaktion liefert potenziell wertvolle Daten, selbst wenn diese aktuell nicht zum Modelltraining verwendet werden. Die KI-Technologie von morgen wird von denen dominiert, die heute die relevantesten Nutzerdaten sammeln.
Fazit: Revolution mit Vorbehalt
Die Integration von KI in WhatsApp, Instagram und Google-Suche markiert einen wichtigen Schritt in der Demokratisierung dieser Technologie. Sie bringt KI-Funktionen zu Millionen Nutzern, die bisher vielleicht noch nie mit ChatGPT oder ähnlichen Diensten interagiert haben.
Für den Alltag bieten die neuen Funktionen echten Mehrwert durch Zeitersparnis und Bequemlichkeit. Gleichzeitig sollten Sie sich der Grenzen bewusst sein – sowohl bei der Leistungsfähigkeit als auch beim Datenschutz.
Als Nutzer empfiehlt es sich, die neuen KI-Funktionen auszuprobieren, aber kritisch zu bleiben. Verwenden Sie sie für einfache Anfragen und Alltagshilfen, vertrauen Sie bei komplexen oder wichtigen Fragen aber weiterhin auf gründlichere Recherche und spezialisierte Tools. So nutzen Sie das Beste beider Welten: die Bequemlichkeit integrierter KI und die Zuverlässigkeit bewährter Informationsquellen.