ChatGPT 4.5 und die neuen Bild-KI-Funktionen: So nutzt du die visuelle Intelligenz

27.03.2025
von Jörg Schieb

Wie die KI von OpenAI jetzt auch Bilder versteht, was sie daraus macht – und was das für uns alle bedeutet

Bilder sagen mehr als tausend Worte – und ChatGPT versteht jetzt beides. Mit der neuen Version 4.5 hat OpenAI seine Text-KI zu einem mächtigen visuellen Assistenten aufgerüstet. Denn: ChatGPT kann nun Bilder analysieren, interpretieren und inhaltlich erfassen – ganz ohne DALL·E 3. Das heißt: Es geht nicht ums Generieren, sondern ums Verstehen.

Was bedeutet das genau? Wer kann es nutzen? Wo liegen die Stärken – und wo die Grenzen? Und wie verändert sich dadurch der Umgang mit Informationen im Alltag? Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die neuen Bildfunktionen von ChatGPT 4.5 – mit vielen Beispielen, Vergleichen und konkreten Anwendungstipps.

ChatGPT hat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht, was die Bildgenerierung betrifft
ChatGPT hat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht, was die Bildgenerierung betrifft

Eine neue Dimension für Künstliche Intelligenz: Bildverstehen statt nur Textverarbeiten

Seit Jahren beeindrucken Sprachmodelle wie GPT durch ihre Fähigkeit, natürliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen. Doch Sprache ist nur ein Teil unserer Informationswelt. Vieles – vielleicht sogar das meiste – läuft visuell ab: Screenshots, Fotos, Dokumente, Tabellen, Grafiken. All das war bisher für ChatGPT weitgehend ein „blinder Fleck“.

Mit GPT-4.5 ändert sich das radikal. Die neue Version kann Bilder nicht nur anzeigen, sondern inhaltlich erfassen – mit erstaunlicher Präzision. Das reicht von der simplen Texterkennung bis hin zur Analyse komplexer Inhalte.

Dabei steht nicht das Erzeugen von Bildern im Vordergrund – das ist weiterhin die Domäne von DALL·E 3 –, sondern das Interpretieren von bereits vorhandenen Bildern.

Was ChatGPT 4.5 mit Bildern alles kann

Die neuen Bildfunktionen (Vision-Funktionen genannt) eröffnen völlig neue Nutzungsmöglichkeiten. Hier die wichtigsten Fähigkeiten im Überblick – jeweils mit Beispielen aus der Praxis.

Texterkennung (OCR)

ChatGPT kann gedruckte, gescannte oder sogar handschriftliche Texte aus Bildern erkennen. Egal ob Foto einer Quittung, Scan eines Briefs oder Screenshot einer Webseite – der enthaltene Text wird zuverlässig ausgelesen. Auch Layouts mit mehreren Spalten oder kleinen Schriftgrößen stellen kein Problem dar.

Beispiel: Du fotografierst eine Restaurantrechnung – ChatGPT liest Betrag, Datum, Steuern und sogar die Positionen korrekt aus.

Bestehende Bilder können mit Hilfe natürlicher Spracher verändert werden - und die Ergebnisse sehen extrem realistisch aus
Bestehende Bilder können mit Hilfe natürlicher Spracher verändert werden – und die Ergebnisse sehen extrem realistisch aus

Objekterkennung

Die KI erkennt nicht nur Texte, sondern auch Inhalte: Gegenstände, Tiere, Werkzeuge, technische Geräte – mit erstaunlicher Genauigkeit.

Beispiel: Du zeigst ein Bild von einem defekten Fahrradteil. ChatGPT identifiziert es als Umwerfer und erklärt, wie man es austauscht.

Layout- und Strukturverständnis

Besonders stark ist ChatGPT bei strukturierten Inhalten wie Tabellen, Formularen oder Menüs. Die KI erkennt, wie Informationen angeordnet sind – und kann sie in lesbaren Text umwandeln oder erklären.

Beispiel: Du lädst ein PDF-Formular hoch – ChatGPT sagt dir, welche Felder wofür gedacht sind, ob etwas fehlt und was einzutragen wäre.

Kontextanalyse von Screenshots

Ein echter Gamechanger: Du machst einen Screenshot – etwa von einer App oder einem Software-Problem – und ChatGPT kann dir sagen, was du siehst, worin der Fehler liegen könnte oder was zu tun ist.

Beispiel: Ein Screenshot mit einer Fehlermeldung in Excel. ChatGPT erkennt das Problem („#WERT!“-Fehler), erklärt die Ursache und macht Lösungsvorschläge.

Visuelles Beschreiben und Erklären

Du willst wissen, was auf einem Bild passiert – oder brauchst eine barrierefreie Bildbeschreibung? ChatGPT liefert strukturierte, verständliche Beschreibungen.

Beispiel: Du lädst ein Foto einer Website hoch – ChatGPT beschreibt die Farben, das Layout, die Navigationselemente und schlägt Designverbesserungen vor.

Auf Wunsch werden auch informative Illustrationen erstellt
Auf Wunsch werden auch informative Illustrationen erstellt

Wer die neuen Bildfunktionen nutzen kann

Die Bildfunktionen sind derzeit exklusiv für Nutzer des kostenpflichtigen ChatGPT Plus-Tarifs verfügbar. Wer 20 US-Dollar im Monat zahlt, erhält Zugriff auf GPT-4.5 – inklusive aller Vision-Funktionen. Das gilt sowohl für die Webversion (chat.openai.com) als auch für die offiziellen Apps für iOS und Android.

Wichtig zu wissen: Der kostenlose Zugang nutzt weiterhin GPT-3.5 – und damit ohne Bildfunktionen.

Diese Bildformate und Dateitypen werden unterstützt

Aktuell kannst du folgende Bildtypen direkt in den Chat hochladen:

JPG / JPEG

PNG

GIF (statisch)

PDF-Dateien (werden seitenweise als Bild interpretiert)

Die maximale Dateigröße liegt bei etwa 20 MB pro Bild bzw. pro Datei. Das reicht auch für umfangreiche Scans oder hochauflösende Fotos aus.

Gibt es Nutzungslimits?

OpenAI setzt derzeit auf ein sogenanntes Fair-Use-Modell: Es gibt keine festen Obergrenzen, aber bei sehr intensiver Nutzung kann es vorkommen, dass der Zugriff zeitweise gedrosselt wird. Auch hängt die Geschwindigkeit teilweise von der Serverauslastung ab.

Was gut funktioniert: Das Hochladen mehrerer Bilder im Chatverlauf – zum Vergleich, zur schrittweisen Analyse oder für weiterführende Fragen.

Benchmarks: Wie gut ist GPT-4.5 im Vergleich zu klassischen Tools?

Texterkennung: GPT-4.5 ist im Bereich OCR (optische Zeichenerkennung) mindestens auf Augenhöhe mit spezialisierten Tools wie Adobe Scan, Google Vision oder Microsoft Azure OCR. Besonders stark ist GPT, wenn es darum geht, Text und Bedeutung zusammenzubringen.

Objekterkennung: Während Tools wie Google Lens oft rein visuell arbeiten, kombiniert GPT das visuelle Erkennen mit sprachlicher Intelligenz. Das macht es besonders hilfreich bei komplexen oder erklärungsbedürftigen Bildern.

Kontextverständnis: Hier zeigt sich die größte Stärke von ChatGPT. Klassische Tools erkennen „was“, GPT erkennt zusätzlich „warum“ oder „wie es zusammenhängt“.

FunktionGPT-4.5 VisionKlassische Tools
Texterkennung (OCR)Sehr gut, kontextsensitivMeist gut, aber ohne Deutung
BildbeschreibungDetailliert, sprachlich hochwertigKaum vorhanden
KontextanalyseJa, inklusive Vorschlägen oder ErklärungenNein
Mehrbild-VergleichMöglich durch DialogfunktionNur manuell
Integration in WorkflowsDirekt im ChatEher in spezialisierter Software

ChatGPT als visueller Editor: Mehr als nur Analyse

Auch wenn ChatGPT keine Bildbearbeitungssoftware im klassischen Sinn ist, kann es wie ein intelligenter Co-Pilot beim Arbeiten mit visuellen Inhalten dienen.

Beispiel 1: Du lädst einen Flyer hoch und fragst, wie du ihn moderner gestalten könntest – ChatGPT analysiert Farben, Schriftarten, Textblöcke und macht konkrete Vorschläge.

Beispiel 2: Du scannst einen Vertrag und möchtest wissen, ob bestimmte Klauseln enthalten sind – ChatGPT sucht gezielt danach und erklärt, was sie bedeuten.

Beispiel 3: Du vergleichst zwei Screenshots einer App-Version vor und nach einem Update – ChatGPT erkennt die Unterschiede und kommentiert die Änderungen.

Praktische Tipps für den Einstieg

Hochauflösende Bilder liefern bessere Ergebnisse. Unscharfe oder verwackelte Aufnahmen erkennt die KI zwar oft trotzdem – aber mit Einschränkungen.

Fragen stellen! Das Besondere ist: Du kannst nach der Analyse direkt im Chat Rückfragen stellen – „Was bedeutet das?“, „Gibt es Widersprüche?“, „Wie kann ich das verbessern?“

Mehrere Bilder kombinieren. ChatGPT kann mehrere Bilder miteinander vergleichen – z. B. unterschiedliche Angebote oder Formulare.

Visuelle Intelligenz für den Alltag

Die Bildfunktionen von ChatGPT 4.5 sind mehr als nur ein nettes Extra – sie machen die KI zu einem echten Alltagsbegleiter für visuelle Aufgaben. Ob privat beim Organisieren von Unterlagen, beruflich beim Verstehen komplexer Informationen oder kreativ beim Entwickeln von Inhalten: Die Kombination aus Sprach- und Bildverständnis ist ein echter Gamechanger.

Und das Beste: Es funktioniert direkt im Chat – ohne Zusatzprogramme, ohne Vorwissen. Einfach Bild hochladen, fragen, verstehen.