TikTok erweitert den Jugendschutz: Eltern haben jetzt mehr Möglichkeiten, die Nutzungszeiten zu kontrollieren und können sogar Auszeiten festlegen.
TikTok zählt zu den beliebtesten Apps unter Kindern und Jugendlichen – doch die Plattform steht wegen ihres Suchtpotenzials und unzureichender Schutzmaßnahmen immer wieder in der Kritik. Nun reagiert der chinesische Betreiber mit neuen Sicherheitsfunktionen, die Eltern mehr Kontrolle geben. Die wichtigste Neuerung: eine individuell einstellbare Ruhezeit, die ab 22 Uhr greifen kann.
Doch was bedeuten diese Änderungen konkret? Wie können Eltern die neuen Funktionen nutzen? Und warum ist ein offener Dialog mit den Kindern dabei so wichtig? Wir erklären alles, was Eltern jetzt wissen müssen.
Warum TikTok neue Schutzfunktionen einführt
Viele Jugendliche verbringen täglich mehrere Stunden auf TikTok – oft ohne jedes Zeitgefühl. Experten warnen, dass exzessiver Konsum negat ive Folgen haben kann: Schlafmangel, Konzentrationsprobleme oder gar depressive Verstimmungen. Besonders das „endlose Scrollen“ durch immer neue, kurze Videos sorgt für eine Art digitale Abhängigkeit.
Die Plattform sieht sich zunehmend unter Druck: Eltern, Pädagogen und Jugendschützer fordern strengere Regeln. Als Reaktion darauf erweitert TikTok jetzt seine Schutzmechanismen. Eltern können ab sofort feste Auszeiten für ihre Kinder festlegen – und damit klare Grenzen setzen.
Welche neuen Funktionen gibt es?
Mit den neuen Sicherheitsfeatures können Eltern individuell steuern, wann und wie lange ihre Kinder TikTok nutzen dürfen. Die wichtigsten Funktionen im Überblick:
• Automatische Ruhezeit ab 22 Uhr: Eltern können festlegen, dass TikTok zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens gesperrt wird. Während dieser Zeit ist es nicht möglich, Videos anzusehen, hochzuladen oder Nachrichten zu senden.
• Individuelle Nutzungszeiten: Eltern können genau bestimmen, wie viele Minuten oder Stunden pro Tag TikTok genutzt werden darf – anpassbar für Wochentage und Wochenenden.
• Einschlafhilfe „Wind Down“: Diese Funktion erinnert Jugendliche sanft daran, dass es Zeit ist, das Smartphone zur Seite zu legen und sich auf den Schlaf vorzubereiten.
• Flexibilität und Elternfreigabe: Kinder können eine Verlängerung der Nutzungszeit beantragen – doch nur mit Zustimmung der Eltern.
Diese Funktionen sollen helfen, Konflikte innerhalb der Familie zu reduzieren und Kindern einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien zu ermöglichen.
Warum sind solche Schutzmaßnahmen nötig?
Laut Studien verbringen Jugendliche täglich bis zu vier Stunden allein auf Plattformen wie TikTok – oft unkontrolliert. Besonders problematisch: das Prinzip des unendlichen Feeds. Das automatische Nachladen neuer Inhalte führt dazu, dass Kinder und Jugendliche kaum merken, wie viel Zeit sie tatsächlich auf der Plattform verbringen.
Psychologen warnen vor den Folgen:
• Schlechter Schlaf: Wer bis spät in die Nacht TikTok nutzt, schläft weniger und schlechter – was zu Konzentrationsproblemen in der Schule führen kann.
• Geringere Frustrationstoleranz: Ständiger Dopamin-Kick durch schnelle, kurze Videos kann dazu führen, dass Jugendliche im echten Leben schneller gelangweilt und weniger geduldig sind.
• Emotionale Belastung: Inhalte auf TikTok sind nicht immer harmlos – Mobbing, unrealistische Schönheitsideale und gefährliche Challenges können die Psyche von Jugendlichen negativ beeinflussen.
Die neuen TikTok-Regeln sind daher ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Kinderschutz.
So aktivieren Eltern die neuen TikTok-Schutzfunktionen
Eltern können die neuen Funktionen ganz einfach in der TikTok-App einrichten. So geht’s:
1. Begleiteten Modus aktivieren
✔ TikTok-App auf dem eigenen Smartphone installieren und öffnen.
✔ In den Einstellungen („Einstellungen und Datenschutz“) den Punkt „Begleiteter Modus“ auswählen.
✔ Dort den QR-Code generieren.
2. Verbindung mit dem Kinderkonto herstellen
✔ TikTok auf dem Smartphone des Kindes öffnen.
✔ Mit der App den QR-Code der Eltern scannen.
✔ Dadurch werden die Geräte miteinander verbunden, und die Eltern erhalten volle Kontrolle über die Nutzung.
3. Nutzungszeiten und Ruhezeiten festlegen
✔ In den Einstellungen den Punkt „Bildschirmzeitmanagement“ aufrufen.
✔ Hier individuelle Nutzungszeiten definieren (z. B. 30 Minuten an Schultagen, 1 Stunde am Wochenende).
✔ Die automatische Ruhezeit ab 22 Uhr aktivieren.
4. Einschlafhilfe aktivieren
✔ Die Funktion „Wind Down“ einschalten, damit TikTok abends eine Erinnerung sendet, das Handy beiseitezulegen.
5. Kontrolle und Anpassung
✔ Eltern können jederzeit überprüfen, wie lange ihr Kind TikTok nutzt.
✔ Falls nötig, lassen sich die Zeitlimits flexibel anpassen.
Diese Schritte helfen dabei, eine gesunde Nutzung von TikTok zu fördern und die Bildschirmzeit sinnvoll zu regulieren.
Warum ein offener Dialog mit Kindern wichtig ist
Technische Kontrollmechanismen sind sinnvoll – doch sie ersetzen nicht das Gespräch mit den Kindern. Experten raten Eltern, die neuen TikTok-Regeln nicht einfach durchzusetzen, sondern mit ihren Kindern darüber zu sprechen.
Wichtige Tipps für Eltern:
✅ Erklären statt verbieten: Kindern verständlich machen, warum Bildschirmzeitbegrenzungen wichtig sind.
✅ Gemeinsam Regeln aufstellen: Kinder in den Entscheidungsprozess einbinden – das erhöht die Akzeptanz.
✅ Alternativen bieten: Statt TikTok zu verbieten, alternative Freizeitaktivitäten fördern.
✅ Vorbild sein: Eltern sollten selbst bewusst mit digitalen Medien umgehen – Kinder orientieren sich daran.
Je transparenter Eltern das Thema handhaben, desto eher werden Kinder die Einschränkungen akzeptieren.
Fazit: TikTok setzt endlich auf mehr Jugendschutz
Die neuen TikTok-Sicherheitsfunktionen sind ein wichtiger Schritt in Richtung eines bewussteren Medienkonsums. Die individuell einstellbaren Nutzungszeiten und Ruhezeiten helfen Eltern, die Bildschirmzeit ihrer Kinder besser zu kontrollieren – und mögliche Risiken wie Schlafmangel oder Konzentrationsprobleme zu reduzieren.
Doch Technik allein reicht nicht aus: Ein offenes Gespräch über die Nutzung sozialer Medien ist ebenso wichtig. Nur wenn Eltern und Kinder gemeinsam sinnvolle Regeln festlegen, kann ein gesunder Umgang mit digitalen Plattformen gelingen.
Die neuen Funktionen sind ab sofort verfügbar – Eltern sollten sie nutzen, um ihre Kinder zu schützen und gleichzeitig digitale Eigenverantwortung zu fördern.